24 Millionen für die Kultur…!

Die Förderung von 17 Projekten mit einer Gesamtsumme von 913.500 Euro hat die Kulturstiftung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) beschlossen. Antragsteller aus Bielefeld, Bochum, Dortmundden Kreisen Coesfeld und Unna, Gelsenkirchen, GüterslohMünster, Paderborn und Recklinghausen erhielten jeweils eine Förderzusage. Mit ihrer fördernden und beratenden Tätigkeit ist die Stiftung längst zu einem Partner für Kulturverantwortliche und Kulturschaffende in Westfalen-Lippe geworden. Seit ihrer Gründung hat die LWL-Kulturstiftung 220 Projekte mit einem Volumen von mehr als 24 Millionen Euro gefördert.

„Seit elf Jahren trägt die LWL-Kulturstiftung mit ihren Förderungen dazu bei, Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe nachhaltig und profilbildend zu stärken“, sagte der Vorsitzende des Kuratoriums, Karl Dittmar, aus Bad Salzuflen. „Diesem Auftrag werden wir auch mit unseren jetzigen Förderzusagen gerecht, denn die Projekte veranschaulichen das breite Spektrum an Kulturangeboten in unserer Region. Ich freue mich, dass wir zur Realisierung von aussagekräftigen Vorhaben in den Bereichen Ausstellungen, Literatur, Landeskunde, Film, Musik, Theater und Tanz einen entscheidenden Beitrag leisten können.“

„Die eingereichten Anträge zeigen, dass die LWL-Kulturstiftung als ein wichtiges Förderinstrument in der Region wahrgenommen wird“, so Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung: „Wir wollen Kommunen und freie Träger in der Region trotz sinkender Kapitalerträge in ihrer Kulturarbeit unterstützen. Dass wir 70 Prozent der Antragsteller unsere finanzielle Zuwendung zusagen können, freut mich besonders.“

Mit einer Fördersumme von 190.000 Euro setzt die LWL-Kulturstiftung ihr Engagement für das erfolgreiche Projekt „literaturland westfalen („lila we“) fort. Getragen vom Westfälischen Literaturbüro in Unna und mit Beteiligung von nahezu 130 literarischen Einrichtungen und Initiativen aus Westfalen-Lippe fördert das Netz den Austausch und die aktive Zusammenarbeit der Akteure und macht die Vielfalt, Qualität und Stärke des literarischen Lebens nachhaltig sichtbar. Im Jahr 2017 wird sich „lila we“ mit einem großen Festival unter dem Titel „hier! literaturland westfalen“ präsentieren und mit zahlreichen Veranstaltungen an verschiedenen Standorten in und außerhalb von Westfalen-Lippe den Ruf der Region als Literaturland weiter festigen. Die LWL-Kulturstiftung fördert das Netzwerkprojekt seit seinem Start im Jahr 2011.

Für die zweite Projektphase von „create music! – Kompetenznetzwerk Populäre Musik Westfalen-Lippe“ in der Trägerschaft des Kultursekretariates NRW in Gütersloh und in Zusammenarbeit mit der Landesmusikakademie NRW in Heek wurden Fördergelder von 200.000 Euro bewilligt. Das Rock-Popmusikprojekt im Amateurbereich unterstützt die Entwicklung von jugendlichen Rock- und Popmusikern im ländlichen Raum. Durch mehr Austausch und Zusammenarbeit werden Synergien geschaffen, die die lebendige Musikszene in Westfalen-Lippe stärken und qualifizieren. Um nachhaltig in die Region zu wirken und den Aufbau von Strukturen weiter zu befördern, hat die LWL-Kulturstiftung die Fortsetzung der Förderung beschlossen. Die Stiftung hat bereits die erfolgreich bewertete Pilotphase des Projektes von 2011 bis 2015 gefördert.

Für das Dokumentations- und Ausstellungsprojekt „Die Geschichte der Briten in Westfalen“ erhält die Stadt Paderborn eine Fördersumme von 50.000 Euro. Anlässlich des sich bereits vollziehenden Abzugs der britischen Streitkräfte beleuchtet die Stadt Paderborn die rund 70-jährige Geschichte der Briten in Westfalen von 1945 bis 2019 in einer Tagung und in Ausstellungen. Nach der zentralen Ausstellung im Stadtmuseum Paderborn (2017) wird 2018/19 eine Wanderausstellung in sieben ehemaligen Garnisonsstädten wie Bielefeld, Detmold und Gütersloh zu sehen sein. Die Wanderausstellung entsteht in Kooperation mit dem LWL-Museumsamt.

Mit einer Summe von 87.000 Euro fördert die LWL-Kulturstiftung die Gründung und Entwicklung der „Volxakademie. Zentrum für inklusive Kultur“ der Theaterwerkstatt Bethel in Bielefeld. An die inklusive künstlerische Praxis des Volxtheaters anknüpfend, ruft die Theaterwerkstatt Bethel mit der Volxakademie einen zentralen Ort für Menschen mit und ohne Behinderung ins Leben, an dem Kulturakteurinnen, Bildungsinstitutionen oder Wissenschaftler neue Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe diskutieren und entwickeln, an dem Inklusionskonzepte und -methoden erarbeitet, bewertet und vermittelt werden. Die Pilotphase ist auf drei Jahre angelegt. Die Ergebnisse des Prozesses sollen in einer Publikation dokumentiert werden.

Das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste in Dortmund erhält für die im Jahr 2016 geplante Gesprächsreihe „Alles Ausreden – Versuche direkter Verständigung“ in Münster, Bochum, Düsseldorf und Dortmund eine Förderung von 7.000 Euro. Im Fokus der vierteljährlichen Gespräche stehen Fragen der frei produzierenden Theaterszene wie beispielsweise die nach Zukunftsstrategien und nach Finanzierungsmöglichkeiten. Die Reihe richtet sich an Künstler, Vertreterinnen kultureller Institutionen, Kulturschaffende und -vermittelnde sowie an das Publikum der freien Theaterszene.

Mit einer Fördersumme von 30.000 Euro unterstützt die LWL-Kulturstiftung das Festival „KlangZeit“ der Gesellschaft für Neue Musik Münster. Unter dem Titel „Neue Heimat“ nimmt das Festival vom 7. bis 21. Februar 2016 insbesondere die für die Entwicklung der Neuen Musik wichtige nordrhein-westfälische Musikszene in den Blick. Im Rahmen des Programms treffen Künstler aus der ganzen Welt auf Musiker und Ensembles aus der Region, um sich mit hochaktuellen Themen wie Herkunft, Identität und Weltsicht auseinanderzusetzen. Zahlreiche Uraufführungen sowie ein Komponistenporträt des Henze-Preisträgers Enno Poppe (2014) stehen auf dem Programm.

Die Ausstellungsreihe „KunstOrt MünsterLand 2016 – Altes Stroh zu neuem Gold“ des KünstlerinnenForums in Münster wird mit 15.000 Euro gefördert. Von März bis Oktober 2016 wird die Ausstellung, die künstlerische Positionen zum Thema „Märchen“ präsentiert, durch die Münsterlandkreise Coesfeld, Steinfurt und Borken wandern: Nach ihrem Auftakt auf Burg Hülshoff bei Havixbeck von Ende März bis Anfang Mai wird die für jeden Ort modifizierte Schau ab Juni in Kloster Bentlage in Rheine und ab August in der ehemaligen Textilfabrik Herding in Bocholt zu sehen sein.

Mit 10.000 Euro wird die Ausstellung „The Brutalism Appreciation Society“ des HMKV Hart-ware MedienKunstVereins in Dortmund unterstützt. Die multimediale Gruppenausstellung widmet sich dem brutalistischen Baustil der Nachkriegsmoderne, deren Bauten der 1950er, 1960er und 1970er Jahre in der öffentlichen Wahrnehmung zwischen Zeitzeichen und Schandfleck im Stadtbild schwanken. Titelgeber der Ausstellung ist die Facebook-Gruppe „The Brutalism Appreciation Society“, deren Posts neben künstlerischen Positionen zum Thema in die Schau mit einfließen.

Die erste Ausgabe des ZEBRA Poesie Film Festivals am neuen Standort Münster unter der Leitung der Filmwerkstatt Münster und der Literaturwerkstatt Berlin wird mit 20.000 Euro gefördert. Das von 2002 bis 2015 in Berlin angesiedelte Festival gilt als die größte internationale Plattform für Kurzfilme, die sich inhaltlich, ästhetisch und formal mit Gedichten auseinandersetzen – den Poesiefilmen. Neben dem zentralen internationalen Filmwettbewerb stehen zahlreiche Begleitveranstaltungen wie Lesungen, Kolloquien und Workshops auf dem Programm. Vom 13. bis 16. Oktober 2016 findet das Festival im Schlosstheater Münster und an weiteren Standorten in der Westfalenmetropole und im Umland statt.

Für die Präsentation von Judith Kuckarts Theaterinszenierung der „Judenbuche“ von Annette von Droste-Hülshoff erhält die Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung in Havixbeck (Kreis Coesfeld) eine Förderung von 7.500 Euro. Mit der Droste-Preisträgerin Judith Kuckart nimmt sich eine der anerkannten deutschen Gegenwartsautorinnen des berühmten Novellenklassikers der Droste an. Am Geburts- und langjährigen Wohnort der westfälischen Autorin, Burg Hülshoff bei Havixbeck, wird die Inszenierung im Rahmen der „Droste-Tage“ im August 2016 zu sehen sein.

Für das inklusive Theaterangebot „Hör.Oper“ in der Spielzeit 2016/17 erhält das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen 8.700 Euro. Blinden und sehbehinderten Menschen einen umfassenden Operngenuss zu ermöglichen, ist das Ziel des „HörOper“-Programms, in dem ausgewählte Produktionen mit live gelesener Audiodeskription angeboten werden. Durch die eingesprochene Beschreibung von Bühnenbildern und -geschehen werden die visuellen Komponenten einer Inszenierung für blinde und sehbehinderte Menschen erfahrbar. Nach dem Theater Bielefeld ist das Musiktheater im Revier das zweite Haus in Westfalen, das Audiodeskriptionen anbietet.

Das von der Bürgermeister-Harzer-Stiftung in Lünen initiierte Filmprojekt „Die Kinder der Turnstunde – Die Geschichte der Juden in Lünen“ wird mit einer Summe von 17.400 Euro gefördert. Ausgehend von einer Fotografie aus dem Jahr 1932, die Schüler der jüdischen Schule in Lünen bei einer Turnstunde zeigt, begibt sich der Film des Lünener Regisseurs Michael Kupczyk auf die Spurensuche nach den Schicksalen der Dargestellten und greift hierbei Themen wie Kindertransporte, Pogromnacht, Verfolgung, Ermordung und Überleben auf. Der Film richtet sich in erster Linie an ein junges Publikum.

Das Kulturbüro der Stadt Dülmen kooperiert mit der Künstlergruppe ProArtiSt aus Münster und erhält für die Produktion „Schluss mit süß“ 15.000 Euro. Das Musik-Tanz-Projekt wird mit vier Cellistinnen und vier Tänzerinnen ungewöhnliche Verbindungslinien zwischen der klassischen Musik und der urban-street-art aufzeigen und hierdurch die Hör- und Sehgewohnheiten des jüngeren Publikums sensibilisieren. Als Spielorte sind u.a. das rock’n’popmuseum in Gronau, die Konzertgalerie Bagno in Steinfurt, die Titanic Halle in Münster sowie das neue Musikhaus in Bochum vorgesehen.

Die 24. Ausgabe des Bochumer Filmfestivals „Blicke“ unter der Federführung des Vereins Klack Zwo B in Bochum wird mit einer Summe von 10.000 Euro gefördert. Das etablierte Filmfestival richtet sich an Profi- und Amateur-Filmemacher aus dem Ruhrgebiet und an solche, die über das Ruhrgebiet arbeiten. Neben einem großen Wettbewerb und der Ausstellung eines Medienkünstlers werden im Rahmen der „Kinder-Blicke“ Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten. Das Festival findet vom 23. bis 27. November 2016 in Bochum statt.

Die Realisierung des historischen Informationsportals für Westfalen http://www.reformation-in-westfalen.de des Instituts für vergleichende Städtegeschichte in Münster fördert die LWL-Kulturstiftung mit 185.900 Euro. Das anlässlich des 500-Jahr-Reformationsjubiläums im Jahr 2017 geplante Onlineportal wird die differenzierte und bisher weitgehend unbekannte Reformationslandschaft Westfalen vorstellen. Hierzu liefert es historische Informationen zur Reformationsgeschichte der Territorien und Orte sowie Hinweise zu materiellen Hinterlassenschaften der Reformation. Ein Kalender mit Hinweisen zu dezentral geplanten kulturellen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum in Westfalen-Lippe rundet das Angebot ab.

Der Verein zur Förderung des Wolfgang Borchert Theaters in Münster erhält für die Vergabe einer Auftragsarbeit für ein Bühnenstück zum Reformationsgeschehen eine Förderung von 50.000 Euro. Das geplante Stück wird sich mit dem Reformationsgeschehen um den (Wieder-)Täufer Jan van Leyden in Münster auseinandersetzen. Die Uraufführung ist im Frühjahr 2017 vorgesehen.

Mit der Herausgabe einer Broschüre anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 verfolgt die LWL-Kulturstiftung ein stiftungseigenes Projekt, für das eine Summe von 10.000 Euro bewilligt wurde. Die Broschüre wird die zum Reformationsjubiläum geplanten Aktivitäten westfälisch-lippischer Kulturinstitutionen und der Landeskirchen bündeln und nach außen sichtbar machen. Der Erscheinungstermin ist in der zweiten Jahreshälfte 2016 geplant.

Hintergrund:
Die 2003/04 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gegründete LWL-Kulturstiftung hat die Aufgabe, überörtliche, spartenübergreifende oder interdisziplinäre kulturelle Projekte und Kooperationen mit westfälisch-lippischem Bezug zu fördern. Im Blickpunkt stehen dabei Projekte aus den Sparten bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, Film und landeskundliche kulturelle Forschung. Mit ihren Förderungen verfolgt die LWL-Kulturstiftung das Ziel, die Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe zu stärken und kulturelle Mehrwerte in und für die Region zu schaffen.