Raue See voraus

Lippische Hoteliers und Gastronomen zeigen sich mit dem vergangenen Sommer sehr zufrieden, blicken jedoch äußerst skeptisch auf die laufende Wintersaison. Diese verdeutlicht die Talfahrt des IHK-Konjunkturklimaindikators für das Gastgewerbe um 14,5 Punkte auf aktuell 95,1 Punkte. „Für Urlaubsreisende ist Lippe im Winterhalbjahr weniger interessant. Zudem belasten hohe Arbeitskosten die Unternehmen, der Mindestlohn hinterlässt Spuren“, berichtet Axel Martens, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe).


Drei von zehn der gastgewerblichen Unternehmen verleihen der aktuellen Geschäftslage die Note gut, nur ein Fünftel stuft sie als schlecht ein. Das Gastgewerbe meldet für die vergangenen Monate ein deutliches Umsatzplus. Insbesondere die Hotellerie legte eine Top-Saison hin: 42 Prozent informieren über gestiegene Übernachtungszahlen. Auch die Gastronomen sind zufrieden. Sie profitierten vor allem von den Urlaubsreisenden aber auch von heimischen Gästen.

Dennoch blicken die lippischen Hoteliers und Gastronomen eher skeptisch auf die kommende Wintersaison und erwarten überwiegend keine Zuwächse. Rund ein Viertel der Umfrageteilnehmer rechnet sogar mit einer Verschlechterung ihrer Situation. Hoteliers vergeben dabei deutlich schlechtere Noten als die Gastronomen. Sie fürchten insbesondere den Rückgang der Urlaubsgäste im Winter. Für die Befragten ist es daher sehr wichtig, die Stammgäste zu halten. Gastronomen beklagen nach wie vor das strenge Rauchverbot.

Als größte Geschäftsrisiken benennen über die Hälfte der Antwortenden steigende Arbeitskosten und die politischen Rahmenbedingungen. 35 Prozent der Umfrageteilnehmer beklagen in diesem Zusammenhang die Einführung des Mindestlohns. Die Gastronomie spürt die negativen Auswirkungen etwas deutlicher als die Hotellerie, denn die Branche reagiert mit Arbeitszeitverkürzung, Verzicht auf Neueinstellungen und Stellenabbau. 12 Prozent der Befragten planen Personalabbau, 85 Prozent halten die Zahl der Mitarbeiter konstant.

Acht von zehn der gastgewerblichen Betriebe werden trotz der hohen Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten versuchen, das Preisniveau zu halten. Preissteigerungen werden von den Gästen kaum akzeptiert: Kunden sind hyper-preis-sensibel und nicht mehr bereit, für eine Beherbergungsleistung einen angemessenen Preis zu bezahlen, beklagt ein lippischer Hotelier.

Die Investitionsneigung der Branche ist weiterhin gering: vier von zehn der Befragten setzen den Rotstift an. Nur acht Prozent wollen zukünftig ihr Investitionsbudget aufstocken. Hauptmotiv ist weiterhin Modernisierung, es gibt zudem ein deutliches Plus bei den Ausgaben für Produktinnovationen.